Brennnessel

Biodiversität liegt in aller Munde und trotzdem wissen wenige, das genau die unbeliebte Brennnessel sehr viel zur Biodiversität beitragen würde. Die Brennnessel ist Lebensraum und Nutzpflanze für über 150 Insektenarten!

Erstaunlich wie viele Lebewesen einen Weg gefunden haben mit den beissenden, sehr histaminhaltigen Brennhaaren fertig zu werden. Die feinen Härchen brechen oft bereits bei leichten Berührungen und haben danach eine scharfe Bruchstelle. Beim Kontakt mit den Härchen stechen diese sich in unsere Haut und spritzen dabei ein ameisensäurehaltiger Saft in die Stichwunde. Die verursacht zuerst einen kurzen, brennenden Schmerz und dann ein mit Brennen oder Juckreiz verbundenen Ausschlag, den wir wohl alle nur zu gut kennen.

Meine Grossmutter sammelte sich immer ihre Brennnesseln um daraus einen Salat oder Tee zu machen. Ob sie wohl wusste, dass die Pflanze eine Vitamin C- Bombe ist und ausserdem viel Magnesium, Kalzium, Silizium und Eisen enthält?

Medizinisch wird die Brennnessel angewendet bei Harnwegsinfekten, Nieren- sowie Prostataproblemen und Rheuma.

 

Die alten Germanen waren von den magischen Kräften der Brennnessel überzeugt. Immer wenn der Gott Donar oder auch Thor genannt erzürnt war und Blitz wie Donner auf die Erde schleuderte, dachte man der Brennnessel. Da sie wie der Blitz einen Brand verursacht, benutzte man sie frei nach dem Motto Gleiches mit Gleichem bekämpfen. Die Germanen waren sich sicher, dass die Brennnessel ihnen den Blitz fernhalten würde. Deshalb warfen sie die Brennnesselblätter in die brennenden Hausherde um die herannahenden Gewitter gutmütig zu stimmen.

 

Der wissenschaftliche Name "Urtica dioica" kommt vom lateinischen Wort "urere" was in Deutsch so viel wie "brennen" heisst.

 

Hätte die Brennnessel keine Stacheln, wäre sie schon längst ausgerottet worden, so vielseitig sind ihre Tugenden. Johann Künzle (Kräuterpfarrer)